Besuch bei den Kürbisschnitzern in Huancayo – Mate Burilado

Hier ein kleiner Bericht über unseren Besuch mehrerer Werkstätten der Kürbisschnitzer aus Huancayo. Viel Spaß beim Lesen!

Die Fahrt – von der Megametrople Lima über schneebedeckte Gipfel auf fast 5000 m nach Huancayo

Auf gehts nach Huancayo

Auf gehts nach Huancayo

Letzten Sonntag haben wir uns auf den Weg nach Huancayo gemacht, um einige Werkstätten der berühmten Kürbisschnitzer (mate burilado) zu besuchen. Von Lima aus über die Carretera Central sollte die Fahrt an die 6 Stunden dauern – Erst einmal mussten wir das Monstrum Lima und somit die Küste hinter uns lassen, danach folgten wir den Serpentinen, auf denen sich eine Blechlawine von unzähligen LKWs auf fast 5000 Höhenmetern hinaufschlängelte. Allein die Fahrt war schon ein Abenteuer wert.  Eine wunderschöne Andenlandschaft mit schneebedeckten Gipfeln und Seen wechselte sich mit einzelnen durch die Minienarbeiter bewohnten Dörfchen ab. Bei der Durchfahrt der Bergbaustadt „La Oroya“  hieß es „flach atmen“, gilt diese Stadt doch eine der verschmutzesten Städte weltweit. Kein Wunder, seit Jahrzehnten wir dort Blei, Kuper, Silber, Gold und Zink abgebaut und alles ist dort mit Schwermetallen verseucht. Wir waren froh, alls wir dann endlich auf dem grünen Altiplano in Huancayo angekommen sind. Dieses fruchbare Land bietet riesige Anbauflächen für Obst und Gemüse.

 

Chocha grande  und    Chocha chico

Kürbisse in allen möglichen Wuchsformen

Kürbisse in allen möglichen Wuchsformen

Nach der langen Fahrt konnten wir uns leider nicht ausruhen, sondern mussten gleich weiter in die Dörfer Cochas Grande und Cochas Chico, die berühmt für ihre Kürbisschnitzkunst sind. Ich habe schon öfter bei uns im Lager die Kürbisse bewundert, habe aber gar nicht begriffen welche uralte Tradition und Kunstfertigkeit dahinter steckt. Deshalb möchte ich die Geschichte und verschiedenen Techniken an dieser Stelle genauer erklären.

Die Flaschenkürbisse werden an der peruanischen Küste angebaut und es gibt sie in allen möglichen Größen in Kugel-, Birnen- und Keulenform. Innen ist der Kürbis hohl und die Rinde verholzt, das macht sie haltbar und wasserdicht. Deshalb haben die präkolumbianischen Kulturen die Kürbisse schon vor über 2500 Jahren vorrangig als Trink- und Essgefäße benutzt. Auch damals haben die Menschen darauf schon das alltägliche Leben und Geschichten eingraviert.

Eine besonders schöne Vorführung der verschiedenen Techniken haben wir dann schließlich in einer der Werkstätten bekommen. Der Schnitzer und seine Frau sind schon im Ruhestand, die Werkstatt hat der Sohn übernommen. Allerdings lassen sie es sich nicht nehmen uns in die Kunst der Schnitzerei einzuführen. Auch die Hauskatze streicht uns um die Beine und macht es sich für den Vortrag gemütlich.

Generell unterscheidet man zwei Techniken, die Huanca- und die Ayacuchotechnik. Bei der ersten Technik wird ein Muster in den Kürbis geritzt und anschließend werden die Flächen durch einbrennen „ausgemalt“. Dazu nehmen die Künstler einen glühenden Holzstengel. Die Glut muss durch permanentes Blasen immer am Leben gehalten werden und je nach Druck lassen sich die Farben Schwarz, Braun und Zimt herstellen. Er beginnt mit schwarz um die Umrisse nachzuzeichnen, danach folgt braun usw.  Für diese Technik benötigt man sehr viel Geschick, hat man einmal einen Fehler gemacht kann man ihn nicht rückgängig machen. Ganz schön anstrengend, der arme Herr war dann ganz schön aus der Puste. Natürlich gibt es heutzutage schon kleine Brenner, die die Arbeit erleichtern.

Erster Schitt: Motiv schnitzen

Erster Schitt: Motiv schnitzen

Zweiter Schritt: Brennen der schwarzen Farbe

Zweiter Schritt: Brennen der schwarzen Farbe

Dritter Schritt: Verschiedene Farbabstufungen

Dritter Schritt: Verschiedene Farbabstufungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

weitere Technik

Färbung der eingeritzten Motive

positiv-negativ-schnitzen

Kunstwerke

Eine weitere Technik arbeitet mit dem Färben der eingravierten Linien. Sind die Motive des Küribisses fertig eingeritzt wird der Kürbis mit Fett eingerieben. Auch das hat uns der Senior gekonnt vorgeführt. Die Dame des Hauses reichte dem Künstler ein kleines Schälchen mit angekokeltem Ichu-Gras mit dem der Kürbis dann eingerieben wurde. Seine Frau stand die ganze Zeit daneben und beobachtete unter Adleraugen, ob ihr Mann auch ja alles richtig macht. Der Senior meinte, seine Frau sei quasi seine Qualitätskontrolle und er fügt lachen hinzu, dass sie leider auch den Verkauf kontrolliert und den Gewinn nicht mit ihm teilen mag… fast verschnitzt er sich, da er selbst so über seinen Späßchen lachen muss. Nachdem er sich wieder beruhigt hatte, spülte er den Kürbis kurz unter klarem Wasser ab und voilá, plötzlich wurden die vorher blassen Linien zum Leben erweckt. Diese Positiv-Negativ-Technik gibt es auch in anderen Varianten, nämlich in Fabe. Mit Naturfarben werden die Kürbisse eingefärbt und danach das Motiv geritzt.

konzentrierte-schnitzerin

konzentrierte Schnitzerin

blick-in-die-werkstatt

Blick in die Werkstatt

Viele Leute hier schnitzen schon ihr ganzes Leben. Schon die Großeltern haben die Techniken weitergegeben, damals war lesen und schreiben kaum verbreitet und so haben die Menschen ihre Geschichten auf den Kürbissen festgehalten, quasi wie ein Tagebuch. Viele der Motive handeln vom Leben auf dem Feld oder Erzählen von rauschenden Festen. An manchen Motiven arbeiten die Künstler Monate oder sogar Jahre, einige haben auch schon den Kunstpreis Inti Raymi gewonnen, bei dem Volkskünstler ihre Arbeiten einreichen können. Heutzutage sind die Kürbisse natürlich viel kommerzieller, schmücken Ostersträuche, Weihnachtsbäume und Vieles Mehr. Produzenten haben dadurch viele Arbeitsplätze geschaffen, es gibt Arbeitsteilung, das heißt, einer graviert, der nächste „flammt“ und dann wird oft nochmal nachgraviert. Gemütlich sitzen die Arbeiter beisammen, hören peruanische Schlager und schnitzen die neusten Trends in die Kürbisse.  Immer wieder hört man das Klackern, wenn ein Kürbis fertig ist und in dem großen Bastkorb bei den anderen landet.

Teresa

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